Während des Mannheimer Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung wurde 2011 auf der Sitzung des Wissenschaftlichen Beirats der Herzstiftung der mit 2.500,- € dotierte Best Abstract-Preis der Gertrud-Spitz-Stiftung an Dr. med. Frank Gindele, Klinik für Kardiologie und Intensivmedizin vom Vivantes Klinikum am Urban in Berlin verliehen. Seine Arbeit beschäftigt sich mit bildgebenden Verfahren bei der Ablation von Vorhofflimmern.
Preisträger Dr. Frank Gindele; Prof. Dr. Hellmut Oelert, DSHF; Prof. Dr. Thomas Meinertz, DHS; Prof. Dr. Udo Sechtem, DSHF und DGK (v.l.n.r.).
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Im Lauf der letzten Jahre ist die Behandlung mit Katheterablation immer wichtiger geworden. Durch Hochfrequenzstrom oder Kälte werden Herzzellen gezielt verödet, damit Vorhofflimmern nicht mehr entstehen kann.
Heute werden zur besseren anatomischen Orientierung in dem vom Vorhofflimmern häufig betroffenen linken Vorhof und zur Verringerung der Strahlenbelastung des Patienten und des behandelnden Arztes 3D-Kartographiesysteme eingesetzt. Dadurch kann der Vorhof des Patienten dreidimensional virtuell rekonstruiert werden. Es gibt nun seit einigen Jahren die Möglichkeit, zusätzlich zu diesen Systemen weitere Bilddaten (CT, MRT, Ultraschall) anzuwenden und diese in die dreidimensionale Rekonstruktion des linken Vorhofs zu integrieren. Ziel dieser Bildintegration sollte es sein, die anatomische Genauigkeit der Rekonstruktion des linken Vorhofs zu verbessern und somit auch die Erfolgsrate der Ablation zu erhöhen.
Ziel unserer Untersuchung war, eine Aussage bezüglich der Effektivität dieses Verfahrens aus den Daten des Deutschen Ablationsregisters zu gewinnen, in das seit 2008 mehr als 20000 Patienten eingeschlossen wurden. Dieses Register stellt eines der größten Ablationsregister weltweit dar. Wir konnten zur Untersuchung der Fragestellung insgesamt 3490 Ablationen heranziehen. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Durchleuchtungszeit konnte durch das Verfahren der Bild-Integration reduziert werden, wobei in Zentren mit viel Erfahrung ebenfalls ohne die Integration von Bilddaten sehr geringe Durchleuchtungszeiten erzielt werden konnten. Außerdem wurden in 80% der Integrationen CT-Daten als Grundlage angewandt. Die zusätzliche Strahlenbelastung für den Patienten durch diese Bildgebung ist in den vorliegenden Daten nicht erfasst. Die Dauer der Intervention lässt sich durch die Bild-Integration nicht reduzieren. Auch kann keine Senkung der Komplikationsrate nachgewiesen werden. Ebenfalls ist durch die Bild-Integration keine bessere Langzeitwirkung (Freiheit von Vorhofflimmern) zu verzeichnen. Es zeigt sich hingegen eine häufigere Krankenhausaufnahmerate aufgrund von Herzproblemen innerhalb des ersten Jahres nach der Ablation bei den nachverfolgten Patienten.
Eine routinemäßige Verwendung und Integration bildgebender Verfahren (insbesondere die Integration von CT-Daten) im Rahmen der Katheterablation von Vorhofflimmern ist nicht sinnvoll. Sie täuscht eine höhere anatomische Präzision vor und birgt dabei vor allem bei weniger Geübten die Gefahr einer vermeintlichen Sicherheit.
(Autor: Dr. med. Frank Gindele)
Im Jahr 2010 wurde der Best Abstract-Preis der Gertrud-Spitz-Stiftung an drei Wissenschaftler für ihre Forschung auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen verliehen. Der Preis wurde anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim durch Prof. Dr. Hellmut Oelert, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DSHF, und Prof. Dr. Michael Böhm, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Anwesenheit des Stifters Franz-Herbert Spitz überreicht. Ein Gutachtergremium hatte die drei Preisträger aus 133 eingereichten Abstracts mit klinischem Forschungsschwerpunkt ausgewählt.
Den ersten Preis (€ 2.000) erhielt Philipp-Daniel Gaudron, Universitätsklinikum Würzburg, für den Abstract zur Altersklassifikation von Thromben anhand ihrer Verformungseigenschaften: „Differenzierung von frischen und alten intrakavitären linksventrikulären Thromben mittels Echokardiographie – eine Follow-Up-Studie”.
Prof. Dr. Axel Linke, Herzzentrum der Universität Leipzig, erhielt den zweiten Preis (€ 1.500). Er berichtet darin über die Auswirkungen von Herztraining auf die Funktion des Endothels bei Patienten mit einer stabilen koronaren Herzkrankheit.
Für seinen Abstract zur Identifikation von kardialen Risikopatienten (Post-Infarktpatienten) mit dem Titel „Risk Stratification in Diabetic Post-Infarction Patients by Heart-Rate Turbulence and Deceleration Capacity (ISAR-RISK substudy)” wurde PD Dr. Axel Bauer, Universitätsklinikum Tübingen, mit dem dritten Preis (€ 1.000) ausgezeichnet.